Mehrwegangebotspflicht für Takeaway

Neues Verpackungsgesetz zur Abfallvermeidung - um die Umwelt und das Klima zu schonen

Ab 01.01.2023 müssen u. a. Lieferdienste, Bäckereien, Tankstellen, Kantinen, Cafés und Restaurants ohne Mehrkosten neben Einweg- auch Mehrwegbehälter für Essen und Getränke zum Mitnehmen anbieten oder mitgebrachte Behälter befüllen.

Essen im Mehrweg

Takeaway-Gerichte sind praktisch und sparen Zeit. An die Kehrseite, achtlos weggeworfene Einwegbecher und -behälter, haben wir uns im Stadtbild genauso gewöhnt wie an überquellende Mülltonnen oder Bilder von Plastikmüll in den Meeren.

Täglich 770 Tonnen Verpackungsmüll durch Takeaway-Einwegverpackungen!

Angesichts der gemäß Bundesumweltministerium 770 Tonnen Verpackungsmüll durch Takeaway-Einwegverpackungen, die Tag für Tag allein in Deutschland anfallen – zuletzt angetrieben durch die Corona-Pandemie – war eine Eindämmung der Verpackungsflut längst überfällig. Denn mit Einwegverpackungen, die oft nur wenige Minuten im Einsatz sind, steigt auch der Energie- und Ressourcenverbrauch und die Belastung für Umwelt und Klima. Doch der Trend zum zeitsparenden Außerhaus-Konsum steigt weiter an.
Bereits seit Juli 2021 gilt ein Verbot bestimmter Verpackungsarten (z. B. Kunststoffbecher und -teller oder Verpackungen aus Styropor). Einwegverpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen sind allerdings keine gute Alternative: Bei ihrer Produktion wird viel Energie benötigt und es werden oft problematische Chemikalien eingesetzt.

Eine vom Umweltbundesamt beauftrage Studie ergab, dass allein Einwegkunststoffprodukte einen kommunalen Reinigungsaufwand von rund 434 Millionen € verursachen. Dabei sind Pizzaschachteln und Aluschalen und -folien (z.B. von Döner) noch gar nicht mitgerechnet. 

Mit Mehrweg gegen vermeidbare Einwegverpackungen

Nun sind also bald die Betriebe verpflichtet, nachhaltige Mehrweglösungen anzubieten. Für jedes to-go-Produkt muss es dann neben dem Einwegbehälter eine ökologisch vorteilhafte Mehrwegalternative geben, die nicht mehr kosten darf als die jeweilige Einweg-Variante. Dies gilt für Einweggetränkebecher und Einwegkunststofflebensmittelverpackungen. Burger oder Döner dürfen weiterhin in Papier eingewickelt werden. Auch Pizzakartons bleiben ohne Mehrwegalternative erlaubt. 
Besonders engagierte Unternehmen erheben für die Einwegverpackungen sogar einen Zuschlag, um Anreize zu setzen, tatsächlich auf Mehrweg umzusteigen.

Größere Gastronomiebetriebe sind dazu verpflichtet, eine Mehrwegverpackung im Betrieb vorzuhalten. Sie haben dabei zwei Möglichkeiten:

  • Einsatz eigener Mehrwegverpackungen gegen Pfand, zum Beispiel aus Kunststoff oder Glas.
  • Der Betrieb kann mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, das Mehrwegverpackungen anbietet und verschiedene Betriebe teilnehmen (Pfand-Pool-Mehrwegsystem). 

Information für die Kundschaft vorgeschrieben

Betriebe müssen gut sichtbare und lesbare Informationen zu den Mehrwegverpackungen anbringen, zum Beispiel auf Schildern oder Plakaten. 

Ausnahmen für kleinere Betriebe

Kleine Betriebe mit einer Verkaufsfläche von bis zu 80 Quadratmetern (inklusive frei zugänglicher Sitz- und Aufenthaltsbereiche) und weniger als fünf Beschäftigten, wie z.B. Imbisse, sind von der Mehrweg-Pflicht ausgenommen, müssen aber auf Wunsch mitgebrachte Gefäße der Kundschaft befüllen. Restaurantketten fallen – unabhängig von der Größe – nicht unter diese Ausnahmeregelung.  
Die Betriebe müssen auf gut sichtbaren und lesbaren  Informationstafeln darauf hinweisen, dass sie Essen oder Getränke in mitgebrachte Gefäße abfüllen.
Natürlich können sie auch freiwillig Mehrwegverpackungen anbieten.

Bereits einige etablierte Poolsysteme

In Deutschland haben sich bereits mehrere Mehrweg- Poolsysteme etabliert. Hier kann die Rückgabe der Gefäße sowie die Pfandrückerstattung bequem bei allen teilnehmenden Betrieben erfolgen. Denn Mehrweg muss so komfortabel wie möglich sein. Das bedeutet vor allem, dass ich meinen Mehrwegbecher an möglichst vielen Standorten nutzen und zurückgeben kann. Erst wenn ein Mehrwegbecher im Kreislauf bleibt, wird er auch tatsächlich mehrfach genutzt und kann echte Vorteile in Sachen Nachhaltigkeit bringen. 

Jetzt sind die Verbraucherinnen und Verbraucher am Zug

Mehrweglösungen rechnen sich aber nur, wenn die Gefäße – egal ob im Besitz von Kundinnen oder Kunden oder durch die Gastrobetriebe bereitgestellt – auch zum Einsatz kommen. Es liegt nun an uns, sie erfolgreich in die Praxis umzusetzen, statt weiter zu Einweg zu greifen. Damit aus dem Takeaway-Trend ein Mehrweg-Takeaway-Trend und ein wichtiger Baustein gegen die zunehmende Vermüllung des öffentlichen Raums und für mehr Abfallvermeidung wird.

Denn: Ein Mehrwegbecher-Becher kann im Laufe seines Lebens bis zu 1.000 Einwegbecher ersetzen.

Mehr Informationen zur Kampagne "Essen im Mehrweg" 

                    

     
AUTOR: Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Karlsruhe
Fotos: LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit e.V.